Fortbildungen für Medizinische Fachangestellte

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Suchtmedizinische Versorgung

Suchterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen in Deutschland. Die ambulante Betreuung von alkohol-, medikamenten- oder drogenabhängigen Patienten in Praxen und Ambulanzen wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Schon heute kommen viele Patienten in die Arztpraxis, um Begleit- und Folgeerkrankungen der Sucht behandeln zu lassen. Auch die Substitutionstherapie von Opiatabhängigen findet ambulant in Praxen statt. Für eine gute Versorgung dieser Patienten ist die kompetente und engagierte Mitarbeit von MFA unverzichtbar. Die Fortbildung vertieft die medizinischen Grundlagen der Sucht, behandelt rechtliche Aspekte und gibt einen Überblick über Kooperationsmöglichkeiten mit therapeutischen Netzwerken. Darüber hinaus schärft sie das psychologische Fingerspitzengefühl im Umgang mit diesen Patienten. Insgesamt vermittelt das Curriculum Kenntnisse und Fähigkeiten, die weit über das Niveau der Ausbildung hinausgehen.

Folgende Handlungskompetenzen werden vermittelt:

Die Medizinische Fachangestellte unterstützt und entlastet den Arzt bei der Diagnose und Therapie wichtiger Suchterkrankungen.

  • Sie kommuniziert strukturiert mit Patienten und motiviert sie, bei Maßnahmen zur Suchtdiagnostik und Therapie mitzuwirken
  • Sie fördert persönliche Stärken der Patienten und versucht, Beziehungen im Familien- und Freundeskreis zu aktivieren.
  • Sie führt Leistungen aus, die der Arzt an sie delegiert, insbesondere im Bereich der suchtmedizinischen Diagnostik und Behandlung.
  • Sie führt Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben durch und berücksichtigt dabei die Vorgaben des Betäubungsmittelrechts.
  • Sie kümmert sich darum, dass Patienten die Leistungen des suchttherapeutischen Netzwerkes in Anspruch nehmen können und organisiert den reibungslosen Informationsfluss intern in der Praxis sowie mit externen Partnern.
  • Sie kann bei suchtmedizinischen Notfällen angemessen handeln.
  • Im Sinn des lebenslangen Lernens setzt sie neues Wissen, Methoden, Arbeitstechniken und Verfahren selbstständig um.
  • Sie wendet Strategien an, die ihr bei der Bewältigung belastender Arbeitssituationen helfen.

So ist das Curriculum strukturiert:

60 Stunden in Form eines berufsbegleitenden Lehrgangs, der fachtheoretischen und fachpraktischen Unterricht sowie praktische Übungen und eine Hausarbeit umfasst.

Umfang des fachtheoretischen und fachpraktischen Unterrichts                  56 Stunden

Hausarbeit:                                                                                                      4 Stunden

Für die Teilnahme wird vorausgesetzt:

  • Berufsausbildung und erfolgreiche Prüfung zur Medizinischen Fachangestellten bzw. Arzthelferin oder eine Ausbildung in einem vergleichbaren medizinischen Fachberuf.
  • Mindestens zwei Jahre Berufserfahrung

 Hier ein Überblick über Inhalte und Stundenverteilung: 

Fachtheoretischer und fachpraktischer Unterricht

56 Stunden

Modul 1: Kommunikation und Gesprächsführung

(u. a. Kommunikationstechniken anwenden, Gesprächsführung mit spezifischen Patientengruppen und Angehörigen beherrschen, Telefonkommunikation, Strategien zur Konfliktlösung einsetzen, Auseinandersetzung mit der Berufsrolle)

8 Stunden

Modul 2: Wahrnehmung und Motivation

(u. a. Modelle der Selbst- und Fremdwahrnehmung verstehen, Patientenbedürfnisse und soziales Umfeld einschätzen, Besonderheiten spezifischer Patientengruppen berücksichtigen, Patienten und betreuende Personen zur Mitwirkung motivieren)

8 Stunden

Modul 3: Grundlagen der Suchtmedizin

(u. a. Neurophysiologie und Biologie der Sucht verstehen, Suchtmodelle verstehen, psychische und soziale Aspekte der Sucht berücksichtigen, z.B. Auswirkungen des Suchmittelkonsums, Stigmatisierung Suchtkranker. Beim Rückfallmanagement mitwirken, Präventionsmöglichkeiten kennen)

6 Stunden

Modul 4: Abhängigkeitserkrankungen

(u. a. Alkoholassoziierte Störungen verstehen, Missbrauch und Abhängigkeit von illegalen Drogen verstehen, Medikamentenabhängigkeit verstehen, Tabakabhängigkeit verstehen, substanzungebundene Süchte kennen, begleitende Aspekte der Behandlung berücksichtigen, z.B. Co-Abhängigkeit)

20 Stunden

Modul 5: Rechtliche Grundlagen der Suchtmedizin

(u. a. allgemeine Grundlagen im Sozialversicherungs-, Verkehrs- und Strafrecht kennen, Rechtsgrundlagen der substitutionsgestützten Behandlung Opiatabhängiger kennen, z.B. Betäubungsmittel- und Arzneimittelgesetz, Vorschriften zur Fahrtauglichkeit)

3 Stunden

Modul 6: Kooperation im suchttherapeutischen Netzwerk

(u. a. ambulante, stationäre, Reha-, und Selbsthilfeeinrichtungen, ihre Leistungen und Zugangswege kennen, weiterführende Maßnahmen organisieren)

4 Stunden

Modul 7: Suchtmedizinische Notfälle

(u. a. bei Intoxikationen, Entzugssyndrom und bei Notfällen in Verbindung mit komorbiden Störungen angemessen handeln)

4 Stunden

Modul 8: Praxismanagement

(u. a. Dokumentation durchführen, Praxisorganisation und Zeitmanagement beherrschen, Abrechnung und Qualitätsmanagement durchführen)

3 Stunden

Hausarbeit und Kolloquium:

Erstellung einer Hausarbeit inklusive Recherche zu einem suchtmedizinischen Thema, Präsentation im Kolloquium

4 Stunden

Gesamt

60 Stunden

(Module 1 und 2 decken sich mit Elementen anderer Fortbildungen und können auf weitere Curricula angerechnet werden. Entsprechende Nachweise sind erforderlich.)

So sieht der Abschluss aus: 

Zum Abschluss der Fortbildung findet ein Kolloquium über die Hausarbeit von maximal 20 Minuten Dauer statt. Zur Lernerfolgskontrolle wird zugelassen, wer

  • mindestens 90% des Unterrichts besucht hat
  • eine Hausarbeit mit maximal vier Seiten über ein suchtmedizinisches Thema vorlegt.

Nach erfolgreicher Teilnahme an der Gesamtfortbildung, dem Nachweis der Hausarbeit und dem bestandenen Kolloquium erhält die Teilnehmerin ein Zertifikat des Veranstalters.

Die Fortbildung ist in einem Zeitraum von fünf Jahren zu absolvieren.

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