Fachwirt/in für ambulante medizinische Versorgung

In größeren Arztpraxen, kleineren und mittleren Gesundheitseinrichtungen sind zunehmend Fachkräfte gefragt, die sich nicht nur mit medizinischen Fragen auskennen, sondern auch verantwortliche Aufgaben im Praxismanagement und der Patientenbegleitung übernehmen.

Mit der Aufstiegsfortbildung zur/zum Fachwirt/in erwerben Medizinische Fachangestellte[1] (MFA) Kompetenzen in allen drei Bereichen. Die Bündelung mehrerer Funktionen in einer Person ist besonders attraktiv für Arbeitgeber: Fachwirte können z.B. als Datenschutz- und als Qualitätsmanagementbeauftragte eingesetzt werden, Fachwirte kümmern sich um die Einhaltung des Medizinproduktegesetzes, entlasten Ärzte bei der MFA-Ausbildung und im Personalbereich, haben Risikopatienten besonders im Blick und fördern die Teamentwicklung. Darüber hinaus haben Fachwirte sich in mindestens einem medizinischen Bereich spezialisiert.

Mit der Aufstiegsfortbildung qualifizieren sich MFA für eine leitende Position im Praxisteam.

Folgende Handlungskompetenzen werden vermittelt. Fachwirt/in für ambulante medizinische Versorgung:

  • übernehmen eine leitende Position im Team der niedergelassenen Ärzte oder in anderen ambulanten medizinischen Einrichtungen und erledigen anspruchsvolle Aufgaben in den Bereichen Medizin, Patientenbegleitung, Koordination und Praxisführung.
  • Im Bereich Patientenbetreuung und Teamführung sind Fachwirte zu einer sensiblen und effektiven Gesprächsführung mit Patienten und Mitarbeitern in der Lage. Dabei werden Methoden der adressatenorientierten Kommunikation angewandt und Patientinnen und Patienten dadurch zu kooperativem Verhalten motiviert. Nichtärztlichen Mitarbeitern und Auszubildenden gegenüber tragen Fachwirte zur Teamentwicklung und erfolgsorientierten Anleitung bei.
  • Im Bereich Qualitätsmanagement wird bei der Ein- und Durchführung, Kontrolle und Evaluation von Qualitätsmanagementsystemen gestaltend mitgewirkt. Mit den Kenntnissen können die Aufgaben eines Qualitätsmanagement-Beauftragten übernommen werden.
  • Im Bereich Durchführung und Ausbildung unterstützen Fachwirte die Ärzte bei der praktischen Anleitung von Auszubildenden. Fachwirte planen und gestalten die Ausbildung mit, begleiten, stützen und fördern die Lernprozesse und kontrollieren den Lernerfolg.
  • Im Bereich betriebswirtschaftliche Praxisführung werden Ärzte durch Planung, Organisation sowie Überwachung der Arbeits- und Betriebsabläufe durch den effektiven Einsatz von Ressourcen entlastet.
  • Im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien wirken Fachwirte bei der Hard- und Softwareplanung mit, können diese in den Betriebsablauf integrieren und effizient anwenden. Sie setzen die Techniken in allen Funktionen ein, kommunizieren mit internen und externen Partnern. Dabei werden fachkundig Bestimmungen des Datenschutzes und der Datensicherheit umgesetzt. Alle Voraussetzungen für die Position eines Datenschutzbeauftragten werden erfüllt.
  • Im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind Fachwirte, neben den Ärzten, die zentrale Ansprechperson für alle Maßnahmen der Infektions- und Unfallverhütung. Sie achten darauf, dass die Vorgaben des Medizinproduktegesetzes und die Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsschutzes eingehalten werden.
  • Im Bereich Risikopatienten und Notfallmanagement begleiten sie Risikopatienten besonders aufmerksam und motivieren zu kooperativem Verhalten. Sie stellen im Sinne eines Notfallmanagements sicher, dass sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ständig fortbilden und die organisatorischen Rahmenbedingungen einhalten.
  • Über diese sieben Schwerpunkte hinaus übernehmen Fachwirte weitere Aufgaben in mindestens einem spezifischen medizinischen Bereich, für den sie sich durch eine spezialisierende Fortbildung qualifiziert haben.

Die Aufstiegsfortbildung mit 420 Unterrichtseinheiten (UE) ist als ein fachtheoretischer und fachpraktischer Unterricht, die in einen Pflicht- und einen medizinischen Wahlteil gegliedert sind, strukturiert.

Für die Teilnahme wird vorausgesetzt:

  • eine Berufsausbildung und erfolgreiche Prüfung zur/zum Medizinischen Fachangestellten bzw. Arzthelfer/in

oder

  • ein vergleichbarer Abschluss in einem anderen medizinischen Fachberuf mit anschließender einschlägiger Berufserfahrung.

Hier ein Überblick über Inhalte und Stundenverteilung:

Pflichtteil300 UE
Modul 1: Lern- und Arbeitsmethodik20 UE
Modul 2: Patientenbetreuung und Teamführung40 UE
Modul 3: Qualitätsmanagement (QM)40 UE
Modul 4: Durchführung der Ausbildung40 UE
Modul 5: Betriebswirtschaftliche Praxisführung40 UE
Modul 6: Informations- und Kommunikationstechnologien40 UE
Modul 7: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz40 UE
Modul 8: Risikopatienten und Notfallmanagement 40 UE
Wahlteil im Bereich Medizinmind. 120 UE

Der Pflichtteil umfasst 7 Module à 40 UE und ein ergänzendes Modul Lern- und Arbeitsmethodik mit 20 UE. Der Pflichtteil ist innerhalb von drei Jahren zu absolvieren.

Mit dem medizinischen Wahlteil werden spezialisierende Qualifikationen in mindestens einem medizinischen Schwerpunkt erworben. Der medizinische Wahlteil soll maximal drei Jahre vor oder nach der Absolvierung des Pflichtteils abgeschlossen werden.

Am Ende der Fortbildung findet eine Prüfung statt, die in einen schriftlichen und praktisch-mündlichen Teil gegliedert ist. Der schriftliche Teil umfasst die Bereiche des Pflichtteils und kann auch in Teilprüfungen erfolgen. Denkbar sind bis zu acht Teilprüfungen, die nach der Absolvierung des jeweiligen Moduls stattfinden. Die Entscheidung trifft die zuständige Ärztekammer.

Der praktisch-mündliche Teil besteht aus einer schriftlichen Projektarbeit und einem darauf aufbauenden Fachgespräch. Die Projektarbeit verbindet mindestens zwei Handlungsfelder und zeigt in ihrer Ausführung, dass die Teilnehmenden eine komplexe Problemstellung erfassen, beurteilen und lösen kann.

Zur Prüfung bzw. Teilprüfung wird zugelassen, wer die regelmäßige Teilnahme an den Modulen nachweist, die geprüft werden sollen.

Anrechnung:

Aufgrund des Modulprinzips sind auch anderweitig abgeleistete Teilkomponenten nach Absolvierung anzuerkennen, sofern sie diesem Curriculum gleichwertig sind. Die Teilnahme an den Modulen ist nachzuweisen. Die Entscheidung trifft die zuständige Ärztekammer.


[1]Die verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen beziehen sich auf alle Geschlechter.